Selbstsabotage verstehen: Warum du dir selbst im Weg stehst

Du weisst genau, was du tun müsstest. Der Plan liegt seit Wochen auf dem Schreibtisch. Und trotzdem passiert nichts. Stattdessen schiebst du auf, lenkst dich ab, machst es doch wieder anders – und fragst dich hinterher, warum du dir das antust. Selbstsabotage fühlt sich wie ein Gegner an. Im JM Hypnose Podcast zeigen Jan Mion und Michael Schmidt, beide Hypnosetherapeuten mit über 30 Jahren Erfahrung, dass dieser Gegner in Wahrheit etwas anderes will: dich schützen.

Die Stimme, die bremst

Michael beobachtet bei vielen Klienten eine innere Gedankenstimme mit ähnlichen Sätzen: Das kann ich nicht. Bin ich gut genug? Dafür bin ich zu klein. Das konnte ich noch nie. Manchmal ist es weniger eine Stimme als eine Blockade, die seit der Schulzeit, der Lehre oder einer Mobbing-Erfahrung da ist.

Auffällig ist: Die Ursachen liegen fast immer in der Vergangenheit. Dort wurde etwas erlebt, und irgendwann kam ein Deckel drauf. Danach bleibt man klein. Nicht, weil man es nicht besser wüsste, sondern weil das Unbewusste gelernt hat, dass Kleinbleiben sicher ist. Der Verstand sagt Ja, das Unbewusste sagt Nein – und das Unbewusste setzt sich in solchen Momenten meistens durch.

Tiger und Maus

Michael hat ein Bild, das die Logik dahinter gut sichtbar macht: Ein Tiger, der sich wie eine Maus verhält, ist einfach ein komischer Tiger. Aber eine Maus, die sich wie ein Tiger verhält, stirbt schnell aus. Evolutionär betrachtet ist Vorsicht also kein Fehler. Wir neigen dazu, uns zu unterschätzen, wenn wir nicht ganz sicher sind.

Das Unbewusste drückt dann auf die Bremse. Nicht aus Bosheit, sondern weil es dich vor Situationen bewahren will, denen du nicht gewachsen bist. Wenn der Erfolg zu gross wird oder du die Komfortzone verlässt, kommt das Stopp. Es fühlt sich wie Sabotage an, ist aber ein Schutzmechanismus, der einmal sinnvoll war und jetzt zu stark bremst.

Der Frosch im Terrarium

Eine Geschichte, die Jan erzählt, macht diesen Mechanismus sehr anschaulich. Ein Frosch lebt in einem Terrarium. Er hat Wasser, Pflanzen und Platz. Eines Tages liegt eine Glasplatte über dem Terrarium. Der Frosch springt, stösst sich den Kopf, es tut weh. Also springt er beim nächsten Mal weniger hoch. Die Glasplatte senkt sich weiter, er stösst sich wieder, springt noch vorsichtiger. Irgendwann kann er kaum noch springen.

Dann wird die Glasplatte entfernt. Der Frosch springt trotzdem nicht. Die Blockade ist weg, aber die Erfahrung sitzt. Genau so geht es Menschen mit alten Limits: Die Situation hat sich verändert, die Schutzreaktion läuft weiter. In der Hypnose geht es darum, die Ressourcen wieder zu aktivieren – zu merken, dass man ein Frosch ist und dass Springen zum eigenen Wesen gehört. Dann geht es oft hinaus in die Welt.

Alte Limits, neue Wirklichkeit

Viele dieser Limits stammen aus der Kindheit. Kinder können weniger als Erwachsene, das ist normal. Aber die Grenzen von damals werden oft nicht aktualisiert. Ein Mensch mit sechzig Jahren kann immer noch mit dem Massstab von damals auf sich schauen. In der Hypnose lässt sich dieses Limit auf den aktuellen Stand bringen: Was war damals wahr? Was ist heute möglich? Was habe ich seither gelernt?

Das ist kein einmaliger Akt. Es braucht Geduld und manchmal mehr als eine Sitzung. Aber wenn die alten Begrenzungen an Gewicht verlieren, entsteht Raum. Menschen merken, dass sie stärker sind als gedacht und mehr gelernt haben.

Tiger unter Schafen

Selbstsabotage wird nicht nur in der Kindheit geprägt. Im Gespräch fällt das Beispiel der Filmindustrie: Die Bösewichte sind oft Multimillionäre, der Held bleibt bescheiden. Auch Nachrichten und das Umfeld können Botschaften senden, die einen klein halten. Manchmal sind es Menschen, die es gut meinen, aber selbst nicht wollen, dass du dich veränderst.

Dazu passt die Geschichte vom Tiger, der unter Schafen aufwächst. Er fragt sich, warum alle Gras essen können, nur er nicht. Die Schafe antworten: Halt die Schnauze und friss dein Gras. Sie wollen nicht, dass er merkt, wofür seine Zähne da sind – sein Potenzial könnte für sie gefährlich werden. Der Impuls, sich anzupassen, ist verständlich. Aber er führt dazu, dass man das eigene Wesen verleugnet.

Deshalb geht es in der Arbeit nicht darum, den Saboteur zu bekämpfen. Wer sich selbst bekämpft, gewinnt nie. Es geht darum, ihn an Bord zu holen, zu verstehen, wovor er schützen wollte, und ihm zu zeigen, dass die Gefahr vorbei ist. Wenn die Selbstsabotage mit einer Depression oder Angststörung zusammenhängt, gehört das zusätzlich in fachliche Abklärung.

Was du mitnehmen kannst

  • Selbstsabotage ist meist ein unbewusster Schutzmechanismus, kein Charakterfehler.
  • Alte Limits aus der Kindheit werden oft nicht an die heutige Realität angepasst.
  • Der Frosch im Terrarium zeigt: Die Glasplatte kann weg sein, die Angst bleibt.
  • Wer den inneren Saboteur bekämpft, kämpft gegen sich selbst – besser ist Zusammenarbeit.
  • Gesellschaft, Filme und Umfeld können die Neigung verstärken, klein zu bleiben.

Mehr zu dieser Folge: die unbewussten Ursachen der Selbstsabotage

Fazit & Kontakt

Du bist deiner Selbstsabotage nicht hilflos ausgeliefert. Der erste Schritt ist, sie nicht mehr als Feind zu sehen. Der zweite ist, die alten Limits zu erkennen und zu aktualisieren. Genau dabei begleiten die beiden ihre Klienten.

Wenn du wissen möchtest, ob Hypnose zu deinem Thema passt, sprich mit Jan Mion und Michael Schmidt. Beide bieten Sitzungen vor Ort in der Region Zürich sowie ortsunabhängig online per Video an:

  • Jan Mion: Informationen auf janmion.ch oder direkt zur Terminbuchung.
  • Michael Schmidt: Termine und Informationen auf schmidthypnose.ch.
  • JM Hypnose Podcast: Ausführliche Gespräche und Praxiseinblicke findest du im gemeinsamen Podcast von Jan Mion und Michael Schmidt.

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