Hypnose beim Impostor-Syndrom: Wenn Erfolg und Gefühl nicht zusammenpassen
Du hast die Beförderung bekommen, die Prüfung bestanden, den Vortrag gehalten. Und trotzdem sitzt danach eine leise Stimme in dir und sagt: Das war Glück. Irgendwann fällt auf, dass du eigentlich nichts kannst. Dieses Gefühl hat einen Namen – Impostor-Syndrom oder Hochstapler-Syndrom. Im JM Hypnose Podcast sprechen Jan Mion und Michael Schmidt, beide Hypnosetherapeuten mit über 30 Jahren Erfahrung, darüber, was dahintersteckt und wie Hypnose damit arbeitet.
Aussen glänzt es, innen zweifelt es
Michael kennt das Thema aus beiden Richtungen: Er begleitet Menschen vom CEO bis zum Public Speaker, die erfolgreich sind und trotzdem zweifeln. Er kennt die Frage auch von sich selbst, nach Jahren des Seminarhaltens.
Jan beschreibt das Muster genauer: Aussen und innen passen nicht zusammen. Der Erfolg wird nicht gefühlt, und gleichzeitig wächst die Angst, als Hochstapler erkannt zu werden. Dabei geht es oft um eine Trennung von Rolle und Selbst. Auf der Bühne, als Chef, in einer Präsentation nimmst du eine Rolle ein. Die anderen sehen nur das, was du nach aussen gibst – nicht dein Inneres mit allen Selbstzweifeln. Eine Rolle darf sogar ein bisschen Spass machen und muss nicht zu hundert Prozent mit dir übereinstimmen.
Die Tiefe, die du selbst nicht siehst
Ein Bild, das Michael im Gespräch verwendet, erklärt viel: Stell dir vor, du stehst in tiefem Wasser und weisst nicht, wie tief es ist. Jemand mit weniger Erfahrung sieht deine Kompetenz und schätzt sie gross ein – unabhängig davon, wie unsicher du dich fühlst. Was du jeden Tag selbst sagst und tust, erscheint dir gewöhnlich. Für andere kann genau das besonders sein.
Dazu kommt ein paradoxer Effekt: Je mehr du weisst, desto klarer siehst du, was du alles nicht weisst. Menschen mit wenig Erfahrung haben diese Lücke noch nicht entdeckt. Sie halten ihr Wissen für vollständiger, als es ist. Wer viel kann, sieht dagegen ständig die offenen Fragen. Das macht die eigene Tiefe unsichtbar – obwohl sie da ist. Genau hier setzt die Arbeit an: nicht mehr Können, sondern ein realistischeres Gefühl für das, was schon vorhanden ist.
999 Stimmen und ein Kritiker
Es gibt eine Geschichte, die Jan erzählt und die hängen bleibt: Selbst Biene Maja hat Hater im Internet. Eine Comicfigur, die Kinder lieben, wird von manchen kommentiert, als wäre sie eine reale Person. Wenn also eine erfundene Biene Kritik abbekommt, dann darf auch auf dich mal ein Kommentar fallen, der nicht wohlwollend ist.
Der Punkt ist die Verhältnismässigkeit. Von tausend Rückmeldungen ist eine kritisch – und genau diese eine wird riesig. Die 999 anderen, die zustimmen oder einfach still zufrieden sind, verschwinden. In der Hypnose geht es darum, dieses Ungleichgewicht wieder herzustellen. Nicht, Kritik schönzureden, sondern sie in ihrer tatsächlichen Grösse zu sehen.
Der Schmetterling sieht seine Flügel nicht
Eine zweite Metapher, die Michael gern nutzt, ist der Schmetterling. Er hat wunderschöne Flügel – aber er sieht sie selbst nicht. Genauso geht es vielen Menschen mit ihren Fähigkeiten. Sie sind da, sie wirken nach aussen, nur der Blick von innen fehlt. In der Trance lässt sich dieses Bild nutzen: Wo sind deine Flügel, welche Farben haben sie?
Oft wird dabei sichtbar, dass jemand innerlich noch als Raupe unterwegs ist. Menschen mit über sechzig Jahren erzählen manchmal, was sie können und nicht können, und beschreiben sich noch mit dem Massstab ihrer Lehrzeit. Das Selbstbild ist nicht mitgewachsen. Hypnose arbeitet dann an einem Update: Du bist nicht mehr der Lehrling von damals. Du hast gelernt, du bist stärker geworden, du hast Erfahrung. Wenn dieses Bild im Inneren ankommt, verändert sich der Auftritt oft wie von selbst.
Kopf und Herz zusammenbringen
Das Ziel ist keine Selbstüberschätzung, sondern eine Verbindung. Michael sagt, er mache seine Klienten zum Team mit sich selbst. Kopf und Herz sollen zusammenspielen, Wissen und Gefühl, Erfahrung und Intuition. Von aussen betrachtet – aus einer Metaposition – lässt sich oft klarer sehen, was jemand erreicht hat und welche Schritte als Nächstes anstehen.
Und dieses Vertrauen hat eine praktische Seite: Auch wenn du nicht alles weisst, kannst du auf deine Erfahrung, dein Talent und dein Gespür zurückgreifen. Wer zehn Minuten ohne Vorbereitung reden müsste, würde merken: Da ist mehr als der Kopf gerade sieht. Wenn die inneren Zweifel leiser werden, entsteht Raum für den Satz: Ich habe das verdient. Ich bin am richtigen Ort. Wenn die Selbstzweifel stark sind und mit Depressionen oder Angststörungen einhergehen, gehört das zusätzlich in fachliche Abklärung.
Was du mitnehmen kannst
- Beim Impostor-Syndrom fallen Aussenwirkung und inneres Erleben auseinander.
- Eigene Kompetenz wird oft unterschätzt, weil die Tiefe des Wissens unsichtbar bleibt.
- Ein einzelner kritischer Kommentar bekommt häufig mehr Gewicht als 999 positive Rückmeldungen.
- Das Selbstbild bleibt manchmal auf dem Stand der Lehrzeit – ein Update kann entlasten.
- Hypnose verbindet Kopf und Herz, damit Erfolg auch gefühlt werden kann.
Mehr zu dieser Folge: das Impostor-Syndrom aus Sicht der Hypnose
Fazit & Kontakt
Das Impostor-Syndrom ist kein Beweis dafür, dass du zu wenig kannst. Es ist ein Zeichen dafür, dass dein inneres Bild mit deiner äusseren Realität noch nicht Schritt gehalten hat. Daran lässt sich arbeiten – und in der Erfahrung von Jan und Michael ist dieses Thema oft gut zugänglich.
Wenn du wissen möchtest, ob Hypnose zu deinem Thema passt, sprich mit Jan Mion und Michael Schmidt. Beide bieten Sitzungen vor Ort in der Region Zürich sowie ortsunabhängig online per Video an:
- Jan Mion: Informationen auf janmion.ch oder direkt zur Terminbuchung.
- Michael Schmidt: Termine und Informationen auf schmidthypnose.ch.
- JM Hypnose Podcast: Ausführliche Gespräche und Praxiseinblicke findest du im gemeinsamen Podcast von Jan Mion und Michael Schmidt.
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